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So fand ich meinen ersten Bernstein an der Ostsee

Bernstein aus der Ostsee

Bernstein ist ein „Schmuckstein“ aus dem fossilen Harz uralter Nadelbäume. In Deutschland ist der begehrte Schmuckstein überwiegend an der Ostsee zu finden.

Bernstein ist fossiles Harz, das im Laufe der Zeiten durch thermale Einwirkung und Druck von außen seine beliebte Charakteristika erhielt. Vor allem Nadelbäume trugen vor vielen millionen Jahren zur Entstehung der großen Bernsteinvorkommen an der Ostsee bei. Der Baltische Bernstein beispielsweise besteht überwiegend aus dem Harz der riesigen Nadelholzwälder.

Wo kann man an der Ostsee Bernstein finden?
Aufgrund günstiger Wetterverhältnisse ist die Nord- und Westküste auf dem Darß ein beliebter Treffpunkt für Bernsteinsammler. Das Problematische: Nur zu bestimmten Zeiten. Warum ist das so?

Der Bernstein befindet sich im Boden der Ostsee, wo er von viel Sand und großen Steinen überdeckt ist. Nur wenn starke Stürme über die Ostsee fegen und hohe Wellen den Boden umpflügen, werden kleine Stücke im Boden der Ostsee ausgespült, abgebrochen, aufgewühlt. Doch dadurch gelangt der Bernstein nicht an den Strand, er sinkt einfach wieder irgendwo auf den Meeresboden zurück, wo er dann liegen bleibt.

Und jetzt kommt die Jahreszeit ins Spiel. Im Sommer besitzt das warme Wasser eine andere Dichte als das kalte Wasser im Winter. Nur in den kalten Wogen eines Sturmes verbleiben die kleinen Bernsteinstücke lange genug in der aufgewühlten Ostsee um durch eine Reihe kräftiger Wellen an den Strand gespült zu werden. Die optimale Wassertemperatur liegt bei 4 Grad.
Die ersten sonnigen Tage nach Abflauen des Sturms sind die besten Tage. Dank der Sonnenstrahlen glitzern die Bernsteine im Sand schon von Weitem.

Was bedeutet das für professionelle Bernstein-Sucher? Ganz einfach. Im Winter ist die Dichte des Wassers höher als des Bernsteines, er schwimmt Bernstein auf dem Wasser und kann von Bernsteinfischer abgefischt werden.

Im Sommer findet man lediglich im Sandstrand übrigbliebe und von anderen Suchern übersehenen kleine Bernsteine – wenn das Glück zur Seite steht.

Wo ist der richtige Ort?
Das hängt von der Windrichtung ab, aus welcher der Sturm kommt.
Nordwind spült die Bernsteine an einen Nordstrand, aus Nord-Ost kommender Wind treibt Schwemmgut an einen nordwestlich gelegenen Strand.
Wenn der Wind die Wellen vom Strand weg schiebt, kann sich kein Bernstein an verirren.

Der beste Ort ist aber nicht einfach der unmittelbare Strand am Wasser, von dort kann er mit der nächsten Welle gleich wieder weggeschwemmt werden. Der ideale Ort ist dort, wo sich Schwemmgut ablagerte und dem Bernstein die Möglichkeit gab sich – wie ein Fisch im Fischernetz – zu verfitzen.
Das anvisierte Schwemmgut sollte eine ähnliche Dichte wie Bernstein aufweisen. Neben Muschelschalen und Steinen ist kaum Bernstein zu finden.

Ist Bernstein nur am Wasser anzutreffen?
Nein, aber am Stand oder im Wasser spielt die Natur dem Bernsteinsucher in die Hände, er muss nur aufsammeln oder abfischen.
Natürlich gibt es auch an anderen Orten große Bernsteinvorkommen.

Vor Millionen von Jahren entstanden in der Region Bitterfeld gewaltige Mengen an Bernstein. In den Zeiten der DDR wurde hier mehr Bernstein als an der Ostsee gewonnen.

Die Gewinnung von Bernstein im Braunkohlentagebau Goitzsche (Bitterfeld) war sehr ertragreich. In den Jahren 1975 bis 1990 wurden ca. 408 Tonnen Bernstein abgebaut, was zeitweise 10 % des Weltaufkommens ausmachte.

Nicht aus wirtschaftlichen Gründen wurde der Bernsteinabbau 1990 aufgegeben, sondern wegen der starken Umweltbelastung. Im Jahr 1998 begann die Flutung des Braunkohlentagebaus Goitzsche. Unter den Wassermassen liegen noch 1.080 Tonnen Bernstein.

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