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Der Freistaat Sachsen ist nicht die Heimat der Sachsen

Dresden - August der Starke, der goldene Reiter

Wer kennt ihn nicht, den sächsischen Dialekt? Gern in Filmen parodiert und immer belächelt. Figuren mit sächsischem Dialekt werden gern mit einer leicht debilen Komponente ausgestattet. Weiterhin: Schlicht, einfach gestrickt, volksnah, alles andere als intellektuell. In den Medien lächelt man gern über einen vorgeführten Sachsen. Man denke z.B. an „(T)Raumschiff Surprise – Periode 1″, der sächsische “ Darth Vader“.

Aber – so witzig waren und sind die Sachsen gar nicht. Man denke an König Artus, eine Legende die jedem bekannt ist. Er kämpfte im 5 Jahrhundert gegen die Sachsen und Angeln. Die Sachsen in England? Dieses kleine Land mitten in Deutschland? Ja, so war das damals eben. Die Sachsen waren ein germanischer Stammesverband, der sich im 3. Jahrhundert aus den Chauken, Angrivarier und Cherusker gebildet hat. Sie lebten im Norden Deutschlands und den Niederlanden.

Ihr Einfluss in England war nicht gering. Noch heute weisen Landschaftsnamen wie Wessex („Westsachsen“), Essex („Ostsachsen“), Sussex („Südsachsen“) und Middlesex („Mittelsachsen“) auf die sächsischen Einwanderer. Die damaligen Königreiche wurden von Sachsen in England gegründet. Nicht zu verkennen sind so auch Ähnlichkeiten der englischen und sächsischen, deutschen Sprache. Das Volk der Sachsen prägte maßgeblich die englische Sprache.

Die Sachsen waren recht direkt und wussten sich durchzusetzen. Mit großer Wahrscheinlichkeit hat damals niemand über ihre Sprache gelächelt. Die Stämme der Sachsen waren „Grundlage“ vieler anderer Stämme. Selbst die West- und Ostfalen haben etwas mit den Sachsen zu tun. Während man Westfalen mit „Westsachen“ übersetzte, traf auf Ostfalen (Saxoniae Orientalis) die „Ostmänner“ zu, eine „Abteilung“ Der Sachsen. Die Sachsen wagten sich zusammen mit den Langobarden ab 568 auch bis nach Italien, mussten aber eine Schlappe einstecken.

An dieser Stelle sollte gesagt werden: Die Bewohner des Freistaat Sachsen sind nicht die Nachfahren dieser kriegerischer Sachsen aus dem frühen Mittelalter.
Der damalige Stamm der Sachsen hat nichts mit dem Freistaat Sachen zu tun. Das irritiert? Na was denn nun? Reden wir über den heutigen Freistaat Sachen oder dem Volk der Sachsen? Über beides. „Geschichte“ ist ein interessantes und zugleich komplexes Thema. Völker wandern im Laufe der Zeit, während Territorien über lange Zeit hinweg ihre Geo-Koordinaten behalten.

Das heutige Territorium des Freistaat Sachsen wurde bereits 5.500 v. Chr. von sog. Bandkeramischen Kulturen aus Böhmen besiedelt, einer der ersten Ackerbau treibenden Kulturen in Mitteleuropa. Tausende Jahre später, zur Zeitwende, bevölkerten elbgermanische Völker das Gebiet. Es wanderten aus westlicher Richtung weitere germanische Stämme ein. Zuerst wurde das Gebiet von den Thüringern kontrolliert, einem westgermanischem Stamm. Später (im Jahr 531 n. Chr.) fiel das südliche Gebiet an die Franken und das Nördliche geriet unter die Regentschaft der heute noch existierenden Niedersachsen. Im Osten wurden die Franken von den Sorben Ende des 6. Jahrhunderts vertrieben. Gebiete an der Elbe wurden hingegen von dem slawischen Stamm der Daleminziern besiedelt.

Das heutige Territorium des Freistaat Sachsen war schon in alter Zeit ein brodelnder Kessel der Völker und Kulturen. Das liegt an dem Umstand, dass auf dem heutigen Gebiet der Sachsen viele Land- und Heerstraßen der Römer existierten. Die Via Regia kam aus den westlichen Ländern, führte nach Polen und bis nach Russland hinein. Ein anderer großer Handelsweg reichte vom Norden Deutschlands bis nach Genua und Venedig. Es war die Via Imperii. An der Kreuzung beider Straßen, die viele tausende Kilometer reichten, wurde die Stadt Leipzig erbaut. Die Existenz dieser uralten europaweiten Straßen erleichterte den Stämmen die Völkerwanderung. Der eine Stamm kam, der andere ging. Einige Einwohner blieben und vermischten sich mit den Angehörigen anderer Stämme.

Adolf Hitler wird nachgesagt, dass er den Leipzigern aufgrund ihrer gemischten Herkunft nicht traute.